Sylvester zum Knast - gegen alle Zwangsanstalten!

Demobericht und Grußworte:

400 auf Silversterdemo in Berlin
Wie schon seit vielen Jahren wurde auch wieder am 31. Dezember 2007 zu einer Demonstration zum Knast in Berlin-Moabit aufgerufen. 400 Menschen zeigten sich mit den Inhaftierten solidarisch unter dem Motto: „...reißen wir die Mauern ein, die uns trennen! Gegen alle Zwangsanstalten!“
Die Demo war sehr lautstark und kraftvoll, an den Fenstern des Knastes gab es viele Reaktionen auf die Demo und auch die AnwohnerInnen zeigten sich solidarisch. Schon vor Mitternacht wurden eine große Anzahl an Raketen und Knallkörper in Richtung der grauen Mauern geschossen. Es wurden Grußworte von Christian S., ein in Berlin-Tegel inhaftierter Antifaschist, und von Thomas Meyer-Falk, anarchistischer Skinhead inhaftiert in Bruchsal, verlesen. Redebeiträge gab es vom Bündnis für die Einstellung des 129(a)-Verfahrens, von der Soligruppe Christian und zwei Beiträge über die Föderalismusreform und über Sicherungsverwahrung. Vor dem Knast gab es dann Neujahrgrüße in vielen Sprachen, persönliche Grüße an in Moabit weggesperrte und gute Musik.
Die Zeit für den Startpunkt wurde bewusst für eine frühere Zeit als gewohnt angesetzt, da es geplant war nicht die übliche Route zu gehen, sondern einen anderen Weg um den Knast herum, um damit möglichst alle Gefangenen zu erreichen und um ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein und vergessen sind. An der seit Jahren wieder steigenden Anzahl der DemonstrantInnen zeigt sich, dass das Thema Knast und Eingesperrtsein wieder an Bedeutung gewinnt und viele die bestehenden Verhältnisse nicht so hinnehmen wie sie sind.

Die Demo war ein gelungener Auftakt für das neue Jahr indem viel passieren wird in Berlin und überall, sei es der Bullenkongress Ende Januar, die geplanten Räumungen von bedrohten Freiräumen und so weiter.

Für ein heißes 2008 – lasst es krachen und knallen!!!
Freiheit für alle!!!

Und am 29. Januar: Auf zur Demo gegen den Bullenkongress in Berlin
Und am 8. März: Demo zum Frauenknast in Berlin-Pankow in Solidarität mit Andrea und allen Gefangenen

Grußworte von Christian:
Ich grüße die Gefangenen der JVA Moabit und hoffe, dass ihr euch durch die Untersuchungshaft nicht weichkochen lasst, sondern bei eurem Prozess sauber rauskommt, also: Keine Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz!
Ganz besondere Grüße gehen an alle die in den letzten Monaten durch ihre Aktionen, wie z.B.: bei der Freiraumdemo am 8. Dezember oder vor zwei Wochen in Hamburg, gezeigt haben das Widerstand in dieser repressiven Gesellschaft trotz allem möglich ist. Es wird auch im Knast bei vielen mit Zustimmung registriert, wenn es draußen mal wieder gekracht hat.
Symbolische Aktionen können dabei gut die Mauern zwischen draußen und drinnen überwinden. Die meisten Gefangenen sind nicht nur durch Beton von der antiautoritären Bewegung getrennt, sondern es gibt zu wenig Austausch von Informationen und Perspektiven.
Ich würde es begrüßen, wenn die Repressionsmaßnahmen des zu ende gehenden Jahres zu einer besseren Zusammenarbeit auf unserer Seite führen und das in allen linken Projekten das Hausverbot gegen die Bullen konsequent durchgesetzt wird!

FREIHEIT FÜR ALLE!!!

Grußworte von Andrea:
Solidarische Grüße an die Gefangenen in den JVA Moabit und die TeilnehmerInnen der Demonstration schicke ich euch aus der JVA Pankow, wo ich nach rund 25 Jahren politischen Aktivitäten für länger eingesperrt wurde, allerdings hatte ich mit dieser Statistik erheblich mehr Glück als viele andere.
Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen früher die Macht der Justiz zu spüren kriegen, geschlossene Heime als Knäste für Kinder sind bereits Realität, die Sicherungsverwahrung für Jugendliche ist auf dem Weg zum Gesetz derzeit in den Schubladen beim Bundesrat.
In München sitzen zur Zeit drei junge HausbesetzerInnen nach einem brutalen SEK-Einsatz bei der Räumung unter dem Vorwurf des versuchten Totschlags in U-Haft. Solche Konstrukte sind ebensowenig Zufall wie etwa die 129a Phantastereien der BAW in diesem Jahr, sondern der Zweck sind Einschüchterung und Abschreckung von Massen kritischer Menschen.
Was hierzulande leider fehlt ist eine selbstverständliche praktische Solidarität mit Gefangenen weltweit (ob man sie persönlich kennt oder nicht) – und folglich auch eine selbstverständliche breite Anti-Knast-Bewegung, die nicht die Sache von wenigen SpezialistInnen ist, sondern von Massen getragen wird und dadurch kraftvoll wird.
Wenn wir schon beim Thema sind: ein großes Dankeschön an alle, die mir ihre Unterstützung in welcher Form auch immer zu Teil werden lassen – Post, etc. sind ja die Highlights im Knastalltag.

Freiheit + Anarchie!

Laßt Euch nicht erwischen oder unterkriegen 2008 – egal ob drinnen oder draußen!

Wir sehen uns

Andrea


Sylvester zum Knast - gegen alle Zwangsanstalten!
...reißen wir die Mauern ein, die uns trennen!

31. Dezember 2007 - 22.45 - U-Bhf Turmstr. (U9)

Knäste sind das höchste Mittel des Staates und des Kapitals zur Abschreckung aller, die aktiv diesen bestehenden Verhältnissen gegenübertreten oder einfach in die Illegalität gedrängt werden. Dafür gibt es verschiedenste Gründe, meistens aufgrund sozialer Ursachen, welche auf den kapitalistischen Bedingungen der Ausbeutung beruhen.
Die Vielzahl der Inhaftierten, die sogenannten „sozialen Gefangenen“, befinden sich hinter den Mauern aufgrund von Verstößen bedingt durch die sozialen Ursachen.
Eine Gesellschaft, sich stützend auf Ausbeutung, Diskriminierung und organisierte Gewalt durch staatliche Kräfte, produziert verschiedenste formen des Wegsperrens um damit die Stabilität zu erhalten.
Schlussendlich führt dies zu einer kapitalistischen Gesellschaft aufgebaut auf Knästen, Internierungslagern und psychiatrischen Anstalten.
Deswegen gegen alle Formen des Eingesperrtseins und in Solidarität mit den Gefangenen und für eine Gesellschaft ohne Knäste, rufen wir zur Beteiligung an der Demonstration zur JVA Moabit am 31. Dezember 2007 auf.
knastdemo 07


31. Dezember 2006 -> 23.15 Uhr
Antiknastdemo in Moabit
„Für eine Gesellschaft ohne Knäste!“

Wie in den vergangenen Jahren wird es auch dieses Jahr wieder
eine Demonstration zum Knast in Moabit geben. Solidarität ist eine Waffe!
am U-Bhf Turmstr. / Moabit

knastdemo


unser Redebeitrag zur Demo:

Solidarität mit den Aachen3 - gegen Knastsysteme!!!

Wir wollen diese Gelegenheit nutzen, wieder über das Schicksal der Aachen 3 zu berichten und die Solidarität zu diesen zu verstärken!

Es geht um den sogenannte "Aachen 4" - Fall, wobei zwei flüchtende Anarchisten aus Spanien, Gabriel und José, die Schwester von Gabriel - Begona, sowie Bart ein aktiver Anarchist von ABC Gent, von den Bullen in Aachen festgenommen wurden. Dies geschah nach einer Schiesserei als sie mit dem Auto auf der Flucht waren, wobei auch menschen temporär als Geiseln genommen worden sind. Das alles ereignete sich im Juli 2004. Bei dem daraufhin stattfindenden Prozess im jahr 2005 erhielten sie folgende Urteile: José 14 Jahre, Gabriel 13 Jahre und Bart 3 Jahre. Während des Prozesses sind zahlreiche AnarchistInnen aus ganz Europa nach Aachen gefahren, um dort solidarisch mit den Gefangenen zu sein und der Justiz zu zeigen, das sie nicht alleine sind.

Was uns während der ganzen Zeit gestört hat und auch heute noch stört, war und ist die fehlende Solidarität von der Mehrheit der in Deutschland lebenden linken Bewegung.
Unsere Solidarität mit Gefangenen heisst nicht, dass wir jedes mal 100% mit ihren Aktionen, Positionen, Analysen einverstanden sein müssen.
Solidarität heisst für uns, ihnen Unterstützung zu geben, weil sie gegen dieses System und diese Gesellschaft kämpfen und eine ähnliche gesellschaftliche Utopie wie wir besitzen/forden.

Allerdings scheinen uns die Gründe für dieses oftmals unsolidarisches Verhalten - hier in Deutschland - leider ziemlich klar zu sein: hier fehlt einfach eine Bewegung die die Abschaffung aller Knäste und Zwangsanstalten und darüber hinaus die Freilassung aller Gefangenen, und nicht nur der "politischen", fordert.
Wenn wir uns die ganze Antirepressionsarbeit anschauen, stellen wir immer wieder fest, dass eine allgemeine Kritik an dem ganzen Strafsystem, an der Justiz, an den Knästen fehlt.
Bei den meisten Soligruppen werden immer die "eigenen" Gefangenen unterstützt und meistens ist mensch zufrieden wenn der/die Gefangene raus ist, dann ist alles wieder gut, und mensch darf wieder vergessen das hinter den Gittern immer noch Menschen sitzen. Gefangene dieses Systems, des kapitalistischen Systems, wo Menschen die die bestehenden Eigentumsverhältnisse nicht akzeptieren, sei es durch eine gewisse Notwendigkeit (bsw. Armut) oder einfach nur aus dem Bedürfniss heraus sich auch mal was gönnen zu wollen. Unzählige Gefangene sitzen in Deutschen Knästen weil sie im Supermarkt geklaut haben, weil sie "Schwarz" gefahren sind - die meisten Menschen hinter Gittern sitzen da wegen Eigentumsdelikten oder wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtmG).

Der Knast als Feld der politischen Auseinandersetzung wird so gut wie nie thematisiert.
Mensch denkt, dass im Knast nur "schuldige" Vergewaltiger, Mörder und Nazis sitzen würden (selbst wenn, ändert das wirklich was?) oder das der Knast eine reale Lösung für die sozialen Probleme dieser Gesellschaft sei. Wie schon desöfteren von anderen Gruppen gesagt wurde: "Konflikte lassen sich nicht wegsperren!" Wir wollen auf keinen Fall einen Mythos aus den "Knackis" machen, wo wir dann sagen, dass sie die neuen revolutionären Subjekte sein sollen, auch sagen wir nicht, das die Abschaffung der Knäste ein einfacher und schneller Prozess ist und wir jetzt die Lösung für alles parat hätten. Ganz im Gegenteil, uns geht einfach darum nicht zu vergessen das auch der Knast und das Strafsystem ein wichtiger Teil der kapitalischen Gesellschaft ist und dieses keine Lösung sondern das Problem darstellt.

Uns geht es darum, den Knast wieder als Feld der politischen Auseinandersetzung zu sehen, das mensch einfach diesen Unterschied zwischen politischen und sozialen Gefangenen, wenn nicht "politischen" und Gefangenen, oder "schuldige" und "unschuldige" (ja, so was muss mensch auch heut zu tage hören...), reflektieren und abschaffen sollte. Dieses ist kein einfacher Prozess, aber es ist ein wichtiger punkt für die kritik an dieser gesellschaft.

Wie schon gesagt, wir haben keine vorbereitete Lösung parat, denn Anarchismus sehen wir eher als einen Prozess an dem sich alle beteiligen müssen, Tag für Tag, um eine freie Gesellschaft zu schaffen ohne autoritäre strukturen.

Für die Abschaffung aller Knäste und Abschiebelager!
Solidarität mit Gabriel, José und Bart!
Solidarität muss wieder eine Waffe werden!

ABC Berlin